Grüner Gang
Verlassen wir nun das Marien Quartier und laufen an St. Petri vorbei nach links, die Schüsselbuden entlang an der Marienkirche vorbei, weiter die Straße Fünfhausen hinunter, über die Bäckergrube geradeaus in die Kupferschmiedestraße und schließlich nach rechts in die Fischergrube – mitten hinein ins Marien Magdalenen Quartier, das alte Seefahrerviertel.

Lübeck, Fischergrube 44
Daten von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL.
Grüne Gänge gab und gibt es noch häufiger in der Lübecker Altstadt. Neben dem noch heute existierenden Gangsystem aus Hellgrünem Gang und Dunkelgrünen Gang zwischen Engelswisch, Alsheide und An der Untertrave, gab es noch je einen Grünen Gang im Langen Lohberg 20 sowie in der Hüxstraße 65. Wann und warum diese beiden Gänge verschwunden sind, muss ich noch herausfinden…

Grüner Gang, Fischergrube 44
Veröffentlicht unter einer Fair-Use-Policy.
Warum die Gänge „Grün“ genannt wurden, bleibt ebenfalls nur zu vermuten. Möglicherweise gab es hier auch nach der Bebauung noch etwas mehr Grün zu sehen als in anderen Gängen. Der Grüne Gang in der Fischergrube beherbergt allerdings ganze 13 Ganghäuser [1]. Platz für viel Grün kann da kaum noch geblieben sein. Vielleicht ist der Name ja auf diese mit Efeu bewachsene Mauer auf der rechten Seite im folgenden Bild zurückzuführen. Es zeigt den Blick aus dem Gang zurück in Richtung Fischergrube.

Grüner Gang, Innenhof, Fischergrube 44
Veröffentlicht unter einer Fair-Use-Policy.
Archiv der Hansestadt Lübeck, Bau- und Architekturgeschichte, Stadtentwicklung in Lübeck:

Hallo, mich würde mal interessieren, wann die beiden Bilder des „Grünen Gangs“ Fischergrube 44, entstanden sind? Das erste Bild zeigt den Eingang des Grünen Gangs, damals noch ohne Pforte, das zweite Bild mit dem Untertitel Grüner Gang, Innenhof, Fischergrube 44, ist aber nicht der Grüne Gang, da ich hier mit meinen Eltern und Geschwistern die ersten Jahre meines Lebens aufgewachsen bin (Kinder 1954, 1958, 1962). Der Grüne Gang hat 12 kleine Reihenhäuser, jeweils 6 auf jeder Seite. Wir haben in Haus Nr. 4 und meine Großeltern in Haus Nr. 2 auf der rechten Seite zur Fischergrube gewohnt. In der Mitte des Hofs befand sich damals noch ein Brunnen, denn fließend Wasser bekammen wir erst in den 1960 Jahren. Ein Foto, zusammen mit meiner Mutter und meinen Geschwistern im Hof besteht noch im Fotoalbum
Hallo Frau Jarmer, die Aufnahme des Eingangs von der Fischergrube stammt aus dem Jahr 2016, die Innenaufnahme aus 2017. Es handelt sich hierbei um den Blick zurück aus dem Innenhof in Richtung Ausgang Fischergrube. Die anderen Bilder, auf denen man die noch vorhandenen Häuser sieht, habe ich nicht veröffentlicht. Wie schon im Kommentar von Herrn Sattler unten erwähnt, gibt es in diesem Gang 13 Häuser, nicht nur 12. Wenn man sich aktuelle Satellitenbilder (z.B. Google Maps, Globusansicht) anschaut, passt das zweite Foto auch ganz genau zu den heutigen Gegebenheiten: mit Efeu bewachsene Mauer rechts im Bild; Unterkunft „Lübecker Ganghausperle“ in der Fischergrube 44; Haus rechts im Bild neben dem Ausgang mit vier dunklen Türen/Fenstern am Giebel. Vielleicht hat sich doch mehr verändert in diesem Gang, seit Sie dort nicht mehr wohnen?
Der Name rührt von folgender Begebenheit: die Entstehung des Wohngangs geht zurück auf das Jahr 1443, als das Grundstück erstmals als „Hagen“ aktenkundig eingetragen wurde. Nach etlichen Besitzerwechseln gelangte der Gang 1492 in den Besitz des vermögenden Goldschmieds Claus Vogeler. Dessen zweite Ehefrau Heilke hatte offenbar einen richtig grünen Daumen und gestaltete den Hagen mit Unterstützung ihres Stiefsohnes Tönnies binnen kurzer Zeit zur „grünen Oase inmitten der hohen Giebelhäuser“. Die Nachbarschaft erfreute sich offenbar so sehr an dem Garten, dass sich bald der Name „Grüner Hagen“ einbürgerte, der auch Bestandteil der städtischen Urkunden wurde. Der Stiefsohn musste den geliebten „Grünen Hagen“ wegen finanzieller Schwierigkeiten 1531 verkaufen. Eine zweite sinnbildliche „Blüte“ erlebte der Gang von ca. 1600 bis 1630, als die Gattin des damaligen Besitzers den Hagen mit den Gangbuden abermals zur grünen Oase machte. Danach verschwanden die Gartenflächen zusehends für den Bau weiterer Buden. Heute sind es immer noch 13 Ganghäuser.
Quelle: R. Andresen (1982,30-34): Das alte Stadtbild, Lübeck, Geschichte der Wohngänge, Fischergrube bis Hundestraße, Band 3.- Verlag Neue Rundschau, Lübeck.
Vielen Dank für den Hinweis, Herr Sattler. Als ich diesen Artikel geschrieben habe, kannte ich das Werk von Herrn Andresen noch nicht. Wenn ich mal alle Gänge durchgearbeitet habe, werde ich die älteren, so wie diesen hier, auch noch mal überarbeiten.